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News: Lokales Austernsterben an der ostfriesischen Küste


Kürzlich veröffentlichte das französische Forschungsinstitut Ifremer einen kurzen Bericht zu dem sommerlichen Austernsterben 2008 an der französischen Küste, welches das verheerendste seit Einführung der Pazifischen Auster in den 60er Jahren war (Ifremer, 2009). Das Sterben begann Ende April an der Mittelmeerküste, trat dann an der Atlantikküste bis zur Bretagne auf, um sich in den folgenden Sommermonaten bis auf die Normandie auszudehnen. Das Sterben begann sehr schnell und vollzog sich überwiegend innerhalb von wenigen Tagen oder sogar von 24 Stunden. Nach unfangreichen virologischen, bakteriologischen, genetischen und histologischen Untersuchungen stellte sich heraus, dass in fast allen Proben das Virus


OsHV-1 (Ostreid herpes virus 1) isoliert werden konnte, welches zu den Herpesviren gehört. Das OsHV-1 wurde schon in früheren Jahren besonders in jungen Austern im Rahmen von Massensterben gefunden. In 50% der sterbenden Austern in 2008 wurde ein Genotyp (Erbinformation) des Virus gefunden, der bisher noch nicht beobachtet worden war. Erst 2008 war es gelungen, Mortalitäten experimentell durch gemeinsame Haltung von gesunden und sterbenden Austern auszulösen.

Die Herpesviren der Muscheln und Schnecken stellen eine sehr alte und eigenständige Gruppe innerhalb der Herpesviren dar. Die erste Gruppe infiziert Säugetiere und Vögel, die zweite Amphibien und Knochenfische. Die Virologen gehen davon aus, dass der bisher isolierte OsHV-1 ein erster Vertreter aus einer sehr umfangreichen Gruppe von Herpesviren ist, die Invertebraten (Wirbellose, Muscheln, Schnecken, Krebse) infizieren können. Das eigentümliche an diesem Virus ist, dass es verschiedene Muschel- und Schneckenarten infizieren kann, im Gegensatz allen anderen Herpesviren, die in der Regel artspezifisch sind. Daher wird davon ausgegangen, dass OsHV-1 aus einer Invertebraten-Art stammt, die bisher noch nicht bekannt ist und durch Mutation seine Artspezifität verloren hat. Dieses könnte durch die gezielte Einführung nicht endemischer Arten, also spezifischer Arten, die nur in einem bestimmten Gebiet vorkommen, und durch Intensiv-Aquakulturmethoden gefördert worden sein.

 

In etwas weniger als der Hälfte der Austern konnte das Bakterium Vibrio splendidus isoliert, zu geringeren Anteilen ebenfalls Vibrio aestuarianus, V. harveyi, und V. tapetis festgestellt werden. Vibrionen gehören zu den häufigsten marinen Bakterien, mit fakultativ (nicht in jedem Fall, oder nur unter bestimmten Umständen) pathogenen (krankheitsauslösenden) Arten.


Bislang konnten trotz intensiver Forschungsarbeiten die Gründe für die immer wiederkehrenden Austernsterben an der französischen und anderen europäischen Küsten nicht geklärt werden. Zurzeit wird von einem Zusammenspiel von wirts- und umweltbezogenen Faktoren ausgegangen. Als Reaktion auf das Sterben 2008 wurde in Frankreich ein neues Zentrum zur Überwachung der Muschelbestände gegründet, welches ein Warnsystem und besondere Verhaltensmaßnahmen umfasst. Neben der Ursachenforschung werden vor allem Austernpopulationen gesucht und weiter gezüchtet, die eine genetisch bedingte Resistenz (Widerstandsfähigkeit) oder Toleranz gegenüber den Sommermortalitäten besitzen. Zudem tauchen erste Stimmen auf, die davor warnen weiterhin eine Monokultur von z.B. Pazifischen Austern zu pflegen und stattdessen eine Mischkultur (Austern-Miesmuscheln) oder Küstenabschnittsweise wechselnde Arten zu kultivieren.

 

An der ostfriesischen Küste ist im Sommer 2009 bisher nur ein lokales Austernsterben in den Häfen Norddeich und Norderney zu beobachten. Nach bisherigen Beobachtungen beträgt die Mortalitätsrate auf Schüttungen und Spundwänden am Hafen Norderney ca. 10 – 20%. Von der Lütetsburger Plate, Hooksiel, Spiekeroog und Borkum liegen Meldungen vor, dass dort keinerlei Anzeichen eines Austernsterbens zu beobachten sind (pers. Mitt. B. Obert).


Ebenso ist 2009 an der nordfriesischen Küste im Bereich des Sylter Wattenmeers weder bei den dort kultivierten noch bei den frei lebenden Pazifischen Austern ein Sterben beobachtet worden (pers. Mitt. Bine. Pöhner, Sylter Austern Companie). Nach eigenen Beobachtungen scheint sich in den letzten Jahren 2007, 2008 das Ausmaß der Austernsterben abzuschwächen. LimnoMar publizierte bisher Untersuchungen zu den Austernsterben 2005 und 2006 (Watermann et al. 2008; Daehne et al. 2009).

 

Daehne, B., Meemken, M., Zabel, A., Watermann, B.T. (2009): Mortality of the Pacific Oyster (Crassostrea gigas, Thunberg, 1793) in 2006 at the East Frisian coast, Germany, North Sea. Bull. Eur. Ass. Fish Pathol., 29(4), 118-122.

 

Ifremer (2009): Mortalités d’huîtres creuses: actions de l’Ifremer. www.ifremer.fr, actualité

 

Renault, T (2009) : Herpes virus infecting marine molluscs.  www.ifremer.fr,

 

Watermann B.T., Herlyn, M., Daehne, B., Bergmann, S., Meemken, M., Kolodzey, H. (2008): Health condition and mass mortality of Pacific Oysters (Crassostrea gigas, Thunberg, 1793) in 2005 at the East Frisian coast, Germany, North Sea. J Fish Dis 31, 621-630.